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Auf nach Kobuleti in Georgien

Passfahrt über 2.600m Höhe

Nach einem guten Frühstück in meinem Hotel in Bayburt mache ich mich dann auf den Weg über einen Höhenzug ans schwarze Meer und dann weiter zur georgischen Grenze. Heute ist eine Strecke von 300km geplant.

Um über den Höhenzug zu kommen, muss ich einen Pass mit 2.600m Höhe überqueren. Als ich dort ankomme, liegt hier noch über einen Meter Schnee und es nieselt bei knapp 5°. Bin richtig froh, als es wieder bergab geht und es wieder wärmer wird.

Nachdem ich dann am sw. Meer ankomme, fängt es an zu regnen. Na ja, hab ja meinen Regenanzug, der gerade wieder trocken ist …

Navi fällt immer aus:
Heute spinnt mein Garmin Navi und schaltet sich alle paar Minunten ab. Ist echt unpraktisch. Es hat mir die letzten 7 Jahre immer gute Dienste geleistet. Das Problem bleibt mir treu und ich werde wohl testen müssen, woran es liegt. Hoffentlich ist nicht die Hardware hin. Hab zwar ein weiteres Navi, aber das soll auch Ersatz bleiben. Mal sehen, ob ich den Fehler finde.

An der Grenze zu Georgien:
Um ca. 17:00 komme ich dann an der türkisch, georgischen Grenze an. Bin schon ganz gespannt, bzw. ein wenig aufgeregt, wie es wohl mit den Grenzformalitäten läuft. An der Grenze ist eine LKW Schlange von rund 2km, an der ich aber ohne weiteres links vorbei fahren kann.
Es ist alles total easy, ich bin nach 20min durch beide Grenzformalitäten durch und werde noch auf der georgischen Seite herzlich willkommen geheißen.  Was will ich mehr!!!

Als ich dann weiter Richtung Batumi unterwegs bin, ändert sich die Vegitation schlagartig. Auf der türkischen Seite sieht man überall an den Hängen den Teeanbau und auch die Schrebergärten und hier in Georgien hab ich eher den Eindrück ich fahre durch einen wilden Blumengarten (ich übertreibe ein wenig) und mich umweht ein starker Duft von blühenden Akazienbäumen. Da haut es einem fast die Nase weg. Im Randgebiet von Batumi stehen sehr große und mondäne Villen. Es scheint mir, dass es den „Reichen“ hier auch mal richtig gut gegangen ist. Als krassen Kontrast laufen aber jede Menge Kühe auf der Straße herumlaufen und der Verkehr schlängelt sich drum herum und es scheint wirklich keinen zu stören. Bin ich denn schon in Kleinindien?

Eine Legende besagt: Als Gott einst den Menschen
Land gab, kamen die Georgier zu spät. Doch sie
klagten nicht, sondern begannen zu singen und zu
tanzen. Das gefiel Gott: Er gab ihnen das Land, das
er eigentlich für sich vorgesehen hatte.

Quelle:Reise Know-How Georgien

Noch ein Wort zu den Straßenverhältnissen.
Die Straßenverhältnisse sind z. T. sehr schlecht mit krassen Schlaglöchern. Hab nen offenen Gulli gesehen und damit keiner versehentlich reinfährt, hat man einfach einen Autoreifen reingesteckt … Muß man auch erst mal drauf kommen, dass man das Problem so lösen kann.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass mein Navi spinnt.
Um mir das Leben leicht zu machen, habe ich mir kurz vor der Grenze in der Türkei ein Hotel über booking.com in Kobuleti herausgesucht und gebucht. Den Ort Kobuleti hat mir eine Urkrainerin empfohlen, die ich in Geröme im Hotel kennen gelernt habe. Sie ist Fremdsprachenkorrespondentin in Russisch- English und arbeitet an irgendeiner offiziellen Stelle als Dolmetscherin im urkainisch russischen Konflikt . Die Hotelsuche vor Ort in Kobuleti hat es aber in sich. In beiden Navis kann ich nicht die Adresse eingeben,  funktioniert irgendwie nicht. So, was bleibt einem dann übrig, man fragt halt.
Englisch wird hier wenig gesprochen, entweder georgisch oder russisch. Hab mich dann irengwie mit meinen Russisch Grundkenntnissen über die Runde geholfen. Hat funktioniert, aber das Hotel Amigo kannte keiner, hm. Später kam dann ein Taxifahrer hinzu und wollte mir helfen. Auch er kennt das Hotel nicht und hat erst mal herumtelefoniert. Anschließend meinte er, ich solle mal in diese Richtung fahren. Nach meiner Einschätzung lag das Hotel aber in der entgegen gesetzten Richtung. Ich bin dann aber doch meinem Bauchgefühl gefolgt. Nach ein paar hundert Metern und 2 Straßen weiter war er dann wieder da und meinte, ich solle ihm folgen und siehe da, plötzlich standen wir vor dem Hotel. Hm

Das Hotel hat sogar eine Garage für mein Motorrad und auch das Zimmer ist wirklich gut incl. Frühstück, alles für satte 21€. Bin zufrieden. Ich bin aber wohl der einigste Gast im Hotel mit vielleicht 20 Betten, da derzeit in Georgien das Osterfest gefeiert wird.

Die Zeitverschiebung beträgt jetzt in Georgien 3 Stunden.

Anatolische Hochebene und weiter Richtung Osten nach Bayburt

Auf der anatolischen Hochebene unterwegs und unerwartete Begegungen

Heute habe ich mir wieder eine größere Strecke vorgenommen, von Geröme nach Bayburt, ca. 640km über die anatolische Hochebene. Da ich inzwischen mehrfach die guten Straßenverhältnisse wahrgenommen habe, sollte es  klappen und die Wetteraussichten sind gut.

Ich habe 2 Gründe, Bayburt anzusteuern, einmal, weil es eine Stadt an der Seidenstraße ist und weil ich von Bayburt den Sprung über die Grenze nach Georgien am darauffolgenden Tag ganz gut schaffen kann.

Auf der anatolischen Hochebene fahre ich heute auf 1.300 – 2300m Höhe. Trotz herrlichem Wetter ist die Luft doch empfindlich kalt und ich ziehe meinen „Pelzmantel“ an. Die Straßen hier im Nordosten Anatoliens sind alle gut ausgebaut und es läßt sich prima fahren, da hier kaum Verkehr ist und die Straßen größstenteils 4spurig sind.

Das hindert aber die ein oder andere Kuk nicht daran, die Straße zu überqueren…

Bayburt selbst:
Bayburt ist eine alte Garnisionsstadt an der Seidenstraße und wurde auch Marko Polo schon bereist. In seiner Geschichte ist diese Region von den verschiedensten Völkern beherrscht wurden angefangen von den Mongolen, den Persern, den Selschuken usw. Weiteres siehe Wikipedia.

Mein derzeitiger Eindruck von der Türkei:
Die türkische Touristik Branche leidet glaube ich, sehr unter den Terroranschlägen. Als wir in Geröme von dem Attentat in Bursa hören, ist Ramasan, unser Hotelwirt, sichtlich betroffen und verunsichert. Sein Hotel läuft im Verglech zum letzten Jahr deutlich schlechter.
Auf den Hauptstraßen sind jetzt häufiger Straßenkontrollen mit entsprechenden militärischen und polizeilichem Aufwand zu sehen. Mich lassen sie aber immer durchfahren.

Geröme, ansonsten ein echter Touri Ort, der nur so wimmelt von Touris, ist kaum belegt. Die Türken, die ansich schon freundlich und hilfsbereit sind, sind um so mehr um jeden Touristen bemüht …

Noch ein Wort in zum Motorradfahren mit der schwer beladenen Maschine:
Nach rund 14 Tagen und ca. 3000km fühlt sich die Maschine schon wieder deutlich handlicher an. Ich kann sie jetzt gut balancieren, wenden usw. Dadurch hab ich auch weniger Streß, wenns mal eng oder kompliziert wird. Hoffe, es bleibt so. Das richtig schwierige Gelände kommt ja noch. Mal sehen, wie weit ich in Georgien in den Kaukasus fahre und Offroad gehe? Den Elbrus mit über 5.000m zu sehen, wäre schon klasse.

Nachtrag:
Auch meine Motorradmontur, alles in allen 15kg mit den Endurostiefeln und dem Helm (wenn die Taschen leer sind) kommen mir schon nicht mehr so schwer vor. Hab aber selbst glaube ich, schon das ein oder andere Kilo Gewicht verloren. Keine Sorge, ich brauche noch keine Hosenträger und die georgische Küche soll ja sehr gut sein.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung Kapadokiens

Da ich mir ein paar Tage Entspannung genehmige, habe ich auch Zeit ein wenig die Umgebung kennen zu lernen.

Geröme bietet hier für viele Ansprüche etwas, halt ein Touri Ort …

Ich entscheide mich für eine geführte Tagestour:

  • Geröme Panoramablick
  • Underground City Derinkuyu
  • Hikking im Ihara Valley
  • Yaprakhisar, eine Filmkulisse vom Star Wars Film

Morgen geht’s dann weiter Richtung georgischer Grenze, nach Bayburt. Wird zwar eine längere Fahrt, aber die Wetteraussichten sind gut … Mal schauen.

Angekommen in Geröme, Kappadokien

Die Ankunft in Geröme, Kappadokien erfolgt bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen 22°. Ich finde schnell ein prima Hotel. Wie oft in der Türkei werde ich auf der Straße angesprochen und gefragt, ob ich Hilfe brauche. Ist in vielen Fällen praktisch. Ist aber ratsam, nicht gleich das erste Angebot anzunehmen, sondern nach Alternativen zu schauen oder den Preis zu verhanden. Das erste Angebot bei dieser Hotelunterkunft Star Cave lag bei 40€, nachdem ich aber Anstalten mache, mich nach weiteren Hotels umzusehen, bessert er nach und ich bekomme das Hotel für 25€, ist doch ein Wort …

Die Strecke vom schwarzen Meer mit runde 620km Strecke haben mich doch ein wenig angestrengt, aber will nicht klagen, hab’s ja so gewollt. Daher ab heute für ein paar Tage als Caveman, da man hier prima entspannen kann und wahrscheinlich auch schnell andere Biker trifft  Und so ist es auch.

Ich treffe vorm Lebensmittelgschäft einen sehr jungen deutschen Biker, ist glaube ich 22 und heißt Robert. Er ist auf dem Weg in den Iran und dann weiter nach Zentralasien. Als ich ihn frage, ob er alle Visa hat, verneint er und meinte, ach das werde ich mir in Teheran besorgen. Unbeschwert muss man sein, wünsche ihm viel Glück!

Hab von einem anderen Biker im FB Forum gelesen, das Turkmenistan derzeit keine Visa bis Mitte Juni mehr ausstellt …

Nachtrag: Ausfahrt aus Istanbul und Streckeneindrücke

So jetzt geht’s raus aus Istanbul bei guten Wetteraussichten. Hab mal eine kleines Video erstellt aus der Sicht des Motorradfahrers.

Vom Oxident in den Orient über die Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke:

Eindrücke zu den Straßenverhältnissen auf den den Nebenstraßen.
Der Straßenbelag ist z. T. sehr rauh und uneben bzw. wellig. Läßt sich aber gut fahren und das Enduro Fahrwerk steckt das gut weg und es kommt kaum zum Fahrer durch.

Der Verkehr auf den Nebenstrecken ist kaum vorhanden, außer wenn man durch die Städte kommt.

Achtung: Allerdings kann es gerade an den Kreiseln manchmal durch den Straßenstaub sehr glatt sein. Ist heimtückisch, man sieht es nicht und hat mich trotz ABS einmal fast umgehauen.

und weiter geht’s nach Safranbolu

Safranbolu liegt nördlich von Ankara und ist durch seine Historie Weltkulturerbe.

Hier bekomme ich erstmalig auf meiner Tour eine alte Karavansarei zu sehen, die auf der „Seidenstraße“ eine wichtige Rolle gespielt hat. Wer mehr darüber lesen möchte, findet dies in Wikipedia unter Safranbolu.

Da heute auch für die Türken Wochenende ist, steppt hier der Bär und alle Hotels sind ausgebucht. Ich komme aber in einer Pension unter. Das Zimmer ist von der Grundfläche ein besseres Zelt und die Toilette und Dusche sind auf dem Flur. Na ja, hab schon mal schlechter geschlafen. Dafür ist die Familie sehr nett und gibt sich alle Mühe. Für 50TL, umgerechnet 16€ mit Frühstück will ich nicht meckern.

Die türkische Küche schmeckt mir gut und den traditionellen türkischen Honig aus allerlei Grundsubstanzen kann ich einfach nicht stehen lassen und kaufe mir ein ganzes Sortiment für den kleinen Hunger unterwegs.

Erste kleine Optimierungen

  1. Schalthebel umgestellt
    Mit der Schaltung komme ich schlecht zurecht, der erste Gang läßt sich z. T. schwer einlegen oder springt bei der Anfahrt heraus.
    In Istanbul nehme ich mir die Zeit und schaue mir den Schalthebel genauer an. Nach weiterer Justierung des Schaltgestänges passt es jetzt perfekt. Der erste Gang läßt sich sauber einlegen und auch mein Enduro Stiefel passt jetzt besser zwischen Fußraste und Schalthebel zum rauf und runter schalten. Bin sehr zufrieden.

    Schaltheben

  2. Federvorspannung vom hinteren Fahrwerk erhöht
    Die Federvorspannung reicht bei der Beladung nicht aus und das Fahrwerk schlägt ganz leicht durch. Nach der Erhöhung der Vorspannung liegt die Maschine prima auf der Straße und läßt sich viel besser fahren.

    Wilbers Federbein

Auf meiner Tour wird es sicher noch die ein oder andere Optimierung geben müssen. Aus der Erfahrung meiner letzten großen Tour 2011 habe ich gelernt, solche „Kleinigkeiten“ gleich näher zu untersuchen und Abhilfe zu schaffen.

In Istanbul angekommen

Nachem der Zug nun endlich in Edirene angekommen und das Motorrad durch den Zoll gekommen ist, kann ich mich auf den Weg nach Istanbul machen. Da es inzwischen 20:00 Uhr ist, werde ich wohl gegen 23:00 an Hotel sein.

Es sind ca. 230km und davon 200km Autobahn. Da ich mir noch schnell eine Chipkarte gekauft und für die Strecke bis Istanbul  den Betrag (25€ in Summe) für die Maut geladen habe, kann es losgehen.

Die Strecke ist bis Istanbul fast leer, aber dann in Istanbul wird der Verkehr dicht. Ich komme aber trotzdem gut durch, da die Stoßzeit vorbei ist.

Im Sultanachmet Viertel, die Altstadt von Istanbul wird es aber durch die vielen Einbahnstraßen und engen Gassen doch etwas schwierig. Zu allem Überfluß kommt mein Garmin Navi in den engen Häuserschluchten nicht zurecht und hat z. T. Ortungsprobleme bzw. erkennt die Richtung nicht mehr. Ich versuche es mit dem Smartphone und OSMand. Hurra, es klappt und nach einer Viertelstunde stehe ich in der Fußgängerzone vor meinem Hotel Agan. Was will ich mehr.

Leider gibt es für meine Betty keine Garage, so dass ich halt direkt vor dem Hotel parken muss. Der Portier versichert, hier kommt nichts weg …

Ich nehme aber trotzdem alles Gepäck runter und deponiere es in der Rezeptionen. Eigentlich habe ich ein gutes Gefühl als ich dann in meinem Zimmer bin und den Ausblick auf Istanbul genieße.

Noch ein Eindruck von Istanbul nach der Bombenattacke:
Istanbul hat kaum noch Touristen, obwohl die Preise der Hotels um 2/3 gesenkt wurden. Ich zahle für mein Hotel 32€ incl. Frühstück, kann mich nicht beklagen. Auch die Retaurants und Altstadtgassen sind recht wenig belebt, ganz anders im Vergleich zu 2011. Ich fühle mich aber die ganze Zeit sicher und bin verblüfft, wie die Angst vor einem möglichen weiteren  Attentat die Menschen beeinflußt. Ich finde, man sollte den Terrorismus einfach mehr ignorieren und weniger Platz geben.

Cay im Gulhane Park am Bosporus zu genießen und wenn dann noch das Wetter mitspielt, einfach großartig. Die ganze Kanne für keine 3€.

Am Freitag entschließe ich mich bei herrlichem Wetter zu einer Bootsfahrt auf dem Bosporus. Die Eindrücke auf die Stadt vom Wasser sind bezaubernt.

Kleine Eindrücke von Istanbul und dem Bosporus

Morgen fahre ich dann weiter nach Safranbolu und verlasse etwas wehmühtig Istanbul. Den Besuch bei Lenze habe ich jetzt nicht mehr eingeplant.