Das plötzliche Ende eines traumhaften Motorradabenteuers in Indien, so kurz vor dem Ziel

Nach den wunderschönen Eindrücken in Sikkim geht es weiter Richtung Myanmar durch riesige Teeplantagen in Westbengalen und weiter in den Bundesstaat Assam. Kurz vor Guwahati fällt meine Kupplung plötzlich aus bzw. ich kann die Kupplung nicht mehr betätigen. Um heute noch zu unserem Hotel in Guwahati zu kommen, muss ich die restlichen 7km ohne Kupplung fahren und mich so durch den Stadtverkehr wurschteln. Lea schirmt mich mit ihrer Maschine von hinten ab, damit der Verkehr mir nicht direkt am Nummernschild hängt oder mir hinten drauf donnert.

Am Abend beratschlage ich mich noch mit dem Werkstattmeister Otto Rabe, um erst mal eine theoretische Analyse vorzunehmen. Der Verdacht fällt schnell auf das Kupplungsausdrücklager. Hr. Rabe gibt mir noch Tipps mit auf den Weg, wie ich das Lager ausbauen kann.

Am anderen Morgen mache ich mich schon vor dem Frühstück an die Arbeit, um den Fehler bzw. die Ursache für den Kupplungsausfall zu finden. Carlos steht mir mit seinen Schrauberkenntnissen mal wieder zur Seite. Aber nach dem Frühstück machen sich Lea und Carlos weiter auf den Weg in Richtung Myanmar. Bis dahin sind es noch runde 500km und 4 Tage Zeit und es müssen zwischendurch noch Registrierungen für den Bundesstaat  Nagaland und Manipur eingeholt werden.

Mit schweren Herzen muss ich zusehen, wie Lea und Carlos aus der Garage des Hotels fahren und aus meinem Blickfeld verschwinden. Bis jetzt bin ich ja noch guter Hoffnung, dass ich den Fehler irgendwie beheben und den Beiden schnellstmöglich folgen kann.

Fehler gefunden, Kupplungsausdrücklager defekt

Im Vorfeld, so runde 1.000km war ab und an ein leises klingeln zu hören, wie von einer kleinen Schelle, ich konnte aber das Geräusch nicht lokalisieren und einordnen. Jetzt ist mir klar, es war schon das Lagerspiel des Ausdrücklagers zu hören.

Und nebenbei noch eine Pressekonferenz beim „schrauben“

Während ich noch unter meinem Motorrad liege, kommen plötzlich 2 Kamera-Teams in die Garage und wollen ein Interview mit mir machen. Irgendwie haben sie mitbekommen, das 3 Biker auf der Durchreise nach Myanmar, Thailand …. sind und ein Biker (Ich) zurückgeblieben ist und eine Panne hat und die Beiden anderen weiter gefahren sind. Es stellt sich heraus, das die 2 Kamera-Teams von lokalen Sendern in Guwahati sind. Ich finde die Situation voll schräg und bin nicht gerade auf eine Pressekonferenz vorbereitet. Aber dann lasse ich mich doch darauf ein und erzähle von meiner Reise, der Reise-Idee usw. Nach 15min war der Spuk vorbei und ich konnte weiter an meinem Motorrad arbeiten. Der Hotelmanager berichtete mir am anderen Tag, dass es einen Fernsehbericht gegeben hat. Hab ihn aber leider nicht selbst gesehen.

kupplungsausdrucklager

Ersatzteilbeschaffung mit BMW Ersatzkatalog

In Indien gibt es meines Wissens nur 2 BMW Showrooms für Motorräder, in Bombay und in Kolkata, die vielleicht dieses Ersatzteil haben könnten. Leider stellt sich heraus, dass das Ersatzteil in Indien nicht zu haben ist und aus Deutschland bestellt werden muss. Die Lieferzeit nach Indien ist zeitlich leider schwer abzuschätzen und kann schnell 3 – 4 Wochen dauern, oder ich finde zufällig einen Kurier, der ausgerechnet jetzt nach Indien fliegt und mir das Ersatzteil in seinem Koffer mitbringen könnte. Zu viele wenn’s und aber.

Das Ende des Motorradabenteuers:

So ein Mist, runde 3.000km vor dem Ziel und noch 3 Wochen Zeit bis nach Bangkok in Thailand ist mein Motorradabenteuer zu Ende wegen eines 70€ Ersatzteiles. Schweren Herzen muss  ich nach 33.000km und 180 Tage mit Tränen in den Augen aufgeben. Meine Betty hat bis hierher alles super mitgemacht und durchgehalten, mal abgesehen von dem Rahmenbruch, den ich in Kasachstan dummerweise selbst herbeigeführt habe durch zu schnelles Fahren auf übler Straße.

Nachdem mir klar geworden war, dass jetzt mein Motorradabenteuer vorbei ist, musste ich mir überlegen, wie geht es weiter. Ich entscheide mich, das Motorrad von Indien aus nach Deutschland zurück zu schicken, obwohl ich für den Rücktransport von Bangkok schon alles geregelt hatte und einen Seecontainer mit Will und Any (ein Overländer Paar mit ihrem Land Rover) teilen gekonnt hätte.

Trotz dieses plötzlichen Abbruchs des Motorradabenteuers bereue ich keine Minute der Reise und die schönen Momente überwiegen bei Weitem.

Wie geht es weiter?

Wie und mit welcher Spedition, über See oder per Flugzeug …? Gute Entscheidungshilfe bietet die Homepage Motorradkarawane.

Als erstes muss ich einen Spediteur finden. In FB hatte ich von einer Spedition Care Container in Kolkata gelesen, die von Travellern recht gut bewertet ist und der Geschäftsführer des Hotels Awesome in Guwahati besorgt mir einen Kontakt zu DHL in Indien.

Das Angebot von Care Container hatte ich bereits nach runde 7 Stunden um 23:30 in meinem E-Mail Postfach, Wow. Von DHL habe ich nach 4 Tagen immer noch kein Angebot und scheidet daher für mich aus. Um mein Motorrad an Care Container übergeben zu können, muss isch mein Motorrad nach Kolkata schaffen. Die günstigste und schnellste Möglichkeit ist der Transport per Bahn (1.000km) für runde 60€ innerhalb von 22 Stunden per Nachtzug.

Es gibt auch eine sehr positive Kehrseite bei der Beendigung meines Motorradabenteuers. Ich lerne den Geschäftsführer unseres Hotel Aweone Palace näher kennen und er erweist sich als äußerst hilfreich und unterstützt mich in all den Themen die zu bewältigen sind, wie ein guter Freund. Vielen Dank Pankaj!!!

Am Freitag nimmt mich Pankaj mit zum Bahnhof und hilft mir die Tickets für mich und mein Motorrad zu beschaffen. Ohne seine Hilfe hätte ich mich wahrscheinlich auf dem Bahnhof nicht zurecht gefunden. Aber nach 3 Stunden Lauferei habe ich die Tickets ohne Bakschisch in der Tasche und alles ist geregelt.

Am Samstag um 12:30 fährt der Zug ab und 4 Stunden im Voraus muss das Motorrad zur Verladung am Bahnhof stehen.

Das heißt, das Motorrad am Samstagmorgen um 6:30 auf einen LKW verladen … Zuerst sollte meine Betty auf eine Arp, siehe drittes Bild geladen werden. Auch eine Rampe gab es nicht. Erst nachdem ich laut geworden bin und massiv einen größeren Transporter verlange, kommt Bewegung in die Sache und es wird ein LKW beschafft, auf dem auch nur knapp das Motorrad drauf passt.

Transport zum Bahnhof in Guwahati und vom Bahnhof in Kolkata zur Spedition

 

Im Nachtzug und Liegewagen nach Kolkata

Die Zugfahrt nach Kolkata verlief unspektakulär und angenehm. Als ich dann am Sonntagmorgen um 5:00 allein mit meiner halb verpackten Betty auf dem Bahnsteig stehe, komme ich mich doch etwas verloren vor. Aber nach einer halben Stunde kommt meine Spedition Care Container mit einem kleinen LKW vorbei und wir verladen das Motorrad wieder … Auch hierbei musste ich massiv werden, bis endlich eine Rampe beschafft wurde. Die 10 – 15 Leute wollten unbedingt per Hand das Motorrad auf den Kleinlaster heben. Die Situation war zum „Schießen“ und zu durchsichtig. Jeder der dann beim Verladen mithilft, will natürlich nachher Geld haben … Das sie das Motorrad vielleicht voll beladen nicht hochheben können, auf diesen Gedanken sind sie nicht gekommen, oder vielleicht auf halben Wege wieder runter fallen müssen…. Aber alles ist gut verlaufen und so weit ich sehen konnte, gab es keine Transportschäden.

Video von der Fahrt in Kolkata zur Spedition

Am Montagmorgen den 17.10. sollen die Versandpapiere erstellt werden und ich hoffe, dass das flott geht. Vielleicht habe ich ja noch eine Chance, einen Teil der geführten Tour in Myanmar mitzumachen, indem ich per Flieger von Kolkata nach Mandaly fliege.

Ja, ja, die Hoffnung stirbt zuletzt sagt ein Sprichwort, mal schauen, Adrenalin habe ich noch genug im Blut … und ggf. schalte ich die deutsche Botschaft mit ein, um schnell durch den Zoll zu kommen.

6 Gedanken zu „Das plötzliche Ende eines traumhaften Motorradabenteuers in Indien, so kurz vor dem Ziel“

    1. Olaf, inzwischen habe ich mich damit abgefunden und das Motorrad ist per Schiff auf dem Wege nach Hamburg. Der Ausfall kam halt zu knapp vor einem festen Programm, einer geführten Tour mit Permit in Myanmar und Thailand. Dadurch war ich zeitlich nicht mehr flexibel, um mein Motorrad zu reparieren. Aber mir geht es inzwischen wieder gut und…

  1. Hey Jupp,
    mein herzliches Beileid zum Ende dieser großartigen Reise. Ich versuche noch Max zu überreden Dir einen Kupplungspilz mit seiner MZ rüberzubringen 😉 Danke auch für den inspirierenden Reisebericht.
    Weiter so,
    Sebastian

  2. Hallo Josef,

    nimms nicht so schwer. Betty hat das Beste gegeben. Hast doch ne super Reise mit Ihr gemacht.
    Verfolge Euch die ganze Zeit. Wiklich erstaunlich, dass Du bei der ganzen Organisation noch Zeit findest einen ausführlichen Bericht zu schreiben. Bin schon gespannt auf noch ausführliche Erzählungen wenn Du wieder zurück bist. Bis dahin wünsch ich Dir, auch ohne Moped fahren, noch ein paar schöne Tage da unten.

    Liebe Grüße
    Otmar

    1. Hi Otmar, danke für das Feedback, die Reise mit all seinen Entdeckungen, Eindrücken und Begegnungen ist für mich auch einmalig und hat mich „reich“ gemacht.

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