Besuch in einem Slum in der Nähe von Agra

Bilder aus einem Slum in der Nähe von Agra

Heute war ich in einem Slum in der Nähe von Agra. Die Hilfsorganisation Women and Child Rights  hat mir die Möglichkeit gegeben.

In diesem Slum werden Armringe als Schluck hergestellt. Die Kinder arbeiten 10 – 14 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr wie menschliche Roboter, unfassbar. Sie haben keine Chance, zur Schule zu gehen.

Dilip Sevarthi mit einer Community kämpft gegen diesen Missstand und das Recht der Kinder auf eine Schulausbildung. Seit 2009 gibt es in Indien das Gesetz gegen Kinderarbeit und die Schulpflicht. Aber bis das Gesetz umgesetzt und eingehalten wird, ist noch ein sehr langer Weg.

Mit einer kleinen Spende könnt ihr dieser Organisation helfen und unterstützen, damit sie gegen die Kinderarbeit und für die Rechte der Frauen kämpfen kann. Bitte helft mit

Jetzt spenden auf das Spendenkonto Misereor

Motor verliert Oel, zu Besuch in einer Royal Enfield Werkstatt und kleine technische Zwischenbilanz

Bilder zur Motorreparatur

Irgendwo auf der Strecke zwischen Kargil (im Kaschmirgebiet) und Leh habe ich eine Fahrbahnsperrung mit dicken Steinen übersehen und bin voll drüber gerasselt. Erstaunlicherweise haben die Felgen mal wieder nichts abbekommen, aber der Oelwannenschutz hat eine Beule durch einen Stein bekommen. Am zweiten Tag danach sind dicke Oeltropfen unter dem Motorrad zu sehen 🙁 Inzwischen bin ich runde 1.000km weiter gefahren und der Oelverlust wird immer deutlicher.

In Agra nehme ich mir dann endlich die Zeit, um die Ursache herauszufinden, da ich so wahrscheinlich nicht mehr bis Bangkok kommen werde (Oel tanken und Benzin nachsehen). Meine Vermutung ist, dass der Wellendichtring an der Generatorseite mit 130.000km hin ist. Also versuche ich einen halben Tag per Telefon in Agra oder New Delhi einen neuen Wellendichtring (30x42x7) zu bekommen. Fehlanzeige, eine BMW Motorradwerkstatt ist hier einfach nicht aufzutreiben. Nebenbei gesagt hilft mir Carlos, mit dem ich inzwischen seit 15 Tagen zusammen in Indien unterwegs bin, mit Rat und Tat.

Aber Royal Enfield Werkstätten gibt es einige. Also entschließe ich mich, mein Glück in Agra bei einer Royal Enfiled Werkstatt zu versuchen. Als ich dort ankomme, wird erst mal mein Motorrad.  bestaunt und jede Menge sielfies gemacht. Auch der Werkstattmeister und Geschäftsführer schauen sich meine Maschine an und überlegen, wie sie mir helfen können. Nach runde 3 Stunden gemeinsamer Arbeit ist der Motor wieder dicht. Vielen Dank an Rishi, dem Werkstattmeister und seiner Crew. Die Ursache war Gott sei Dank nicht der Wellendichtring, sondern ein Crack in der Generatorplatte an der Frontseite des Motors. Also hat der Steinschlag bei der Straßensperre den Schaden verursacht.

In meinem Ersatzteilesortiment habe ich für den Fall der Fälle auch Flüssigmetall als 2 Komponentenkleber dabei. Und tatsächlich, mit dem Kleber kann ich das Leck abdichten. Sieht zwar nicht schön aus, aber Hauptsache es geht weiter (Zitat Panni).

Zwischenbilanz:

Seit Beginn meiner Reise vor 154 Tagen bin ich jetzt 30.000km gefahren. Vor mir liegen noch runde 5.000km bis nach Bangkok.

Meine Betty hat perfekt durchgehalten. Der Kilometerstand der Maschine ist mit Stand heute 131.000km. Auf dieser Reise habe ich 2 geplante Services in Osh durchgeführt, in dem ich nur die Reifen, den Luftfilter und einmal die Bremsbeläge gewechselt habe.

Ventile nachstellen, Oelwechsel, Zündkerzenwechsel und sonstige Wartungsarbeiten habe ich mir vorerst verkniffen. Oel verbraucht der Motor ansonsten fast gar nicht. Die jetzigen Reifen von Haidenau haben 18.00km ausgehalten und schaffen es hoffentlich noch bis Bangkok. Dann hätten sie eine Laufleistung von beachtlichen 23.000km. Nebenbei gesagt, ich habe das Motorrad nicht um jede Kurve getragen 🙂

Den Rahmenbruch oder die undichte Stelle am Motor habe ich ja selbst verursacht, naja, kann ja mal vorkommen 😉

Projektbesuch in Agra gegen Kinderarbeit in Fabriken

Bilder vom Empfang in Agra

In Agra bin ich heute ganz ganz herzlich empfangen worden von der Misereor Hilfsorganisation. Ein paar Tränen vor Rührung konnte ich nicht unterdrücken.

Für Samstag ist eine Pressekonferenz mit der lokalen Presse organisiert und anschließend bin ich eingeladen in die Community, um die Werkstatten und Schulen zu besichtigen, die die Hilfsorganisation aufgebaut bzw. unterhält.

Ich bin sehr stolz darauf, dass ich dieses Spendenprojekt bis hierher begleiten konnte und ich es durchgehalten habe. Es ist ein großartiges Gefühl!

Aber das Wichtigste, ich möchte mich bei allen Spendern und allen die mich bis hierher begleitet und unterstützt haben, sehr sehr herzlich bedanken, auch im Namen dieser Hilfsorganisation. Ich habe den Eindruck, dass die Spenden in guten Händen ist und die Menschen hier vor Ort einen Mega Job machen.

Wer noch spenden möchte, hier der Link für die Spendeneingabe an Misereor. Diese Spendenseite ist noch bis Ende Dez. aktiv. Auch kleine Spenden haben eine riesen Wirkung.

Kaschmirgebiet und Srinagar

Srinagar mit starkem Militär- und PolizeiaufkommenGrenzformalitäten

Der Grenzübergang von Pakistan nach Indien verlief von der pakistanischen Seite recht unproblematisch und nach einer halben Stunde war alles erledigt und ich stand an der indischen Grenze.

Der Zoll und die Grenzformalitäten auf der indischen Seite haben mir satte 3 Stunden gekostet. Angefangen damit, dass ich beim Zoll nach einem Satelliten-Telefon gefragt werde und der Zoll meinen SPOT GPS – Tracker entdeckt hat. Großes Problem, der Zoll kann dieses Gerät nicht einschätzen und hat es noch nie gesehen. Nachdem sich die Chefs auf der dritten oder vierten Ebene oberhalb des Inspektors damit beschäftigt haben und ich immer wieder darstelle, dass es kein Telefon ist, geht es nach 1,5 Stunden weiter zu Immigrationsbehörde. An der Immigrationsbehörde wird natürlich mein Pass kontrolliert und es wird doch gleich festgestellt, dass in dem Pass mit dem Indien Visum keine Ein- und Ausreisestempel von Pakistan enthalten sind. Ich lege meinen 2 Pass mit den Stempeln von Pakistan vor. Wieder große Verwirrung und Misstrauen. So was hat man hier auch noch nicht gesehen. Eine Person und zwei Pässe und es dauert wieder 1,5 Stunden und nach intensiver Befragung, wie ich denn an diesen zweiten Pass komme habe ich es dann geschafft. Ich bin in Indien. Wow, Indien, dem Hochtechnologieland und seinen Extremen.

In der Grenzstadt Amritsar (Wagah-Border nach Pakistan) treffe ich Carlos, einen Biker aus Spanien, der auf Weltreise ist. Wir entscheiden uns gemeinsam durch Indien und ins Ladakh Gebiet zu fahren. Ich bin richtig happy, nicht mehr alleine zu reisen.

Auf ins Ladakh-Gebiet

Um ins Ladakh Gebiet zu kommen, gibt es zwei Straßen. Einmal über Manali und über den Rothang Pass oder durch das Kaschmir-Gebiet und über Srinigar. Als Basis für unsere Anfahrten haben uns die Info Blätter gedient:

Kaschmir-Gebiet

Im Kaschmir-Gebiet und speziell im Srinagar gibt es seit 70 Jahren Unruhen, die mal stärker oder weniger stark aufflammen. Nachdem wir einige Inder nach dem aktuellen Stand im Kaschmir-Gebiet befragt haben, entscheiden wir uns das Risiko zu tragen und über Srinagar ins Ladakh-Gebiet zu fahren. Der Hauptgrund für diese Route ist der, dass wir nicht gern eine große Strecke 2x fahren möchten. Die Anfahrt von Amritsar erfolgt über Katra. Anzumerken ist hier, dass es einen riesigen Schwerlastverkehr bis nach Srinagar gibt. Dieser Schwerlastverkehr führt permanent zu Verstopfungen bzw. Staus und die vielen Überholmanöver machen nicht wirklich glücklich, da die Strecke z. Teil sehr unübersichtlich ist. Entgegen allen Vorhersagen sind die Truckfahrer den Motorradfahrern sehr freundlich gesonnen und geben z. T. Zeichen, wann überholt werden kann, oder machen Lücken auf, wenn es beim Überholen mal wieder sehr eng geworden ist … Uns erstaunt, dass fast bei jedem zweiten Truck die Windschutzscheibe kaputt ist. Die Truckfahrer erzählen uns, dass es die Steinewerfer in Srinagar sind, die die Truckfahrer angreifen …. Oh, oh, aber man erklärt uns gleich, dass wir als Motorradfahrer nichts zu befürchten haben. Und so war es auch. Nach 2 Tagen sind wir dann endlich in Srinagar. Die Landschaft hier ist wunderschön, überall Reisfelder,  intensive Landwirtschaft und rings umher eingefasst von Bergen. Srinagar selbst liegt auf 1.500m Höhe in einem weitläufigen Tal. Auch die Straßenverhältnisse um Srinagar sind ok und gut zu befahren.

Aber als wir dann am späten Nachmittag in die Stadt Srinagar kommen, sind wir doch geschockt von dem riesigen Militär- und Polizeiaufkommen und es stellt sich ein gewisses Unwohlsein ein.

Nach einigem Suchen finden wir im Dunkeln endlich unser Hotel in der Altstadt und sind froh, für heute Nacht eine gute Bleibe gefunden zu haben.

Bilder vom floated market in Srinagar

Am anderen Tag stellen wir dann fest, dass hier die Bevölkerung streikt und fast alle Geschäfte bis 18:00 geschlossen und auch alle Tankstellen zu sind. Abends ist dann Ausgangssperre und die Einwohner dürfen nicht mehr von einem Stadtteil in den anderen …. Oh man! Aber als Touristen werden wir so gut wie gar nicht von der Polizei oder den Soldaten behelligt. Wir können sogar bei Sonnenuntergang eine Bootsfahrt auf dem See unternehmen und uns den Floated market ansehen. Wirklich ein Erlebnis bei all den Ausnahmegefühlen. Trotz alledem bleiben wir 2 Nächte in Srinagar, da wir eine Ruhepause benötigen und uns das kleine Hotel die Möglichkeit dazu bietet.

Aber dann machen wir uns auf nach Leh mit einer Zwischenübernachtung in Kargil. Nachdem wir aus Srinagar heraus sind, führt uns unsere Strecke durch sehr schöne Täler und tolle Berglandschaften. Auch der Verkehr ist kaum noch zu spüren. Kargil ist so zu sagen auch die letzte muslimische Stadt und ab jetzt ist die Bevölkerung überwiegend buddhistisch und hat z. Teil auch einen chinesischen Einschlag. Der Kulturwechsel ist angenehm zu spüren. An vielen Stellen können wir Stupas und kleine Gebetstempel sehen oder auch besichtigen und es fühlt sich alles irgendwie relaxt an. Wir sind doch sehr froh, dass wir das Kaschmirgebiet hinter uns gelassen haben und alles überstanden ist.

Nachtrag: 14 Tage später ist es wieder zu heftigen Unruhen gekommen mit etlichen Toten und Verletzten. Es war vorher zu sehen, so aufgeladen wie die Atmosphäre war.

Nachtrag Pakistan: Verkehrsrally nach Islamabad und in Lahore

Video über Verkehrsrally in Pakistan

Straßenverkehr in Pakistan

Der Verkehr in Pakistan (Iran …) funktioniert nach ganz eigenen Regeln, jeder fährt so gut wie er kann. Daher brauchst du als Verkehrsteilnehmer 3 Dinge:

  1. Eine gute Hupe (ich habe 135dB Hupe, die Krach wie ein Truck macht)
  2. Gute Bremsen und
  3. eine Portion Glück

In diesem Verkehr muss man mit allem rechnen, wie Tiere auf der Straße, es wird überholt, obwohl Gegenverkehr da ist, es wird rechts oder links oder mitten durch überholt, auf der Autobahn treten regelmäßig Geisterfahrer auf, es können immer Fahrzeuge von rechts oder links auf deine Fahrbahn einbiegen … Die Folge ist, der Verkehr fließt nicht so schnell wie in Deutschland, fast alle fahren defensiv und alle haben große Sorge, ihr heiliges Blechle zu beschädigen.

Nachdem ich das kapiert hatte, hat es mir richtig Spaß gemacht, in diesem Verkehr mit zu wetzen 🙂

Hoffe das Glück bleibt mir weiterhin hold und mein Schutzengel kann jederzeit schnell genug fliegen.

Karakorum Highway und Erfahrungen in Pakistan

Eindrücke auf dem Karakorum Highway im Video

Bilder vom KKH

Von Kashgar aus starten wir, Thomas und ich mit dem Guide auf den KKH in Richtung Pakistan. Nach 4 Tagen in Kashgar freue ich mich wieder richtig, auf dem Motorrad zu sitzen. Das Tagesziel für heute ist der Karakol See auf 3.000m Höhe und ist runde 200km entfernt von Kashgar. Bald sind wir auf dem sogenannten Karakorum Highway. Inzwischen ist er fast vollständig asphaltiert und dadurch eigentlich leicht zu befahren. Derzeit sind auf der chinesischen Seite noch 70km Schotterpiste oder Baustellen aufgrund von Erdrutsche und Steinschläge. Als wir am Karakol See ankommen, ist es schon sehr bewölkt und es sieht nach Regen aus. Geplant war, heute Nacht in einer Jurte zu übernachten. Yussuf, unser Guide empfiehlt uns, noch 130km weiter nach Tashkurgan zu fahren und dort in einem Hotel zu übernachten. Wir entschließen uns nach kurzer Diskussion weiter nach Tashkurgan zu fahren. Bekanntlich sind die Jurten nicht regendicht und nachts wird’s auf dieser Höhe schon recht kalt (5°).

In Tashkurgan ist auch die eigentliche Zollstation, die wir passieren müssen, um nach Pakistan ausreisen zu können. Am anderen Morgen begeben wir uns recht früh zum Zoll, aber der Zollbetrieb beginnt erst um 11:00, da das Computernetzwerk nicht funktioniert. Also mal wieder in der Warteschleife. Aber mit Yussuf und Thomas kommt keine Langeweile auf. Nach rund einer Stunde haben wir es dann geschafft und sind durch den Zoll.

Die letzten 100km in China bis zur Grenze müssten wir eigentlich hinter den Bussen und LKW’s im Konvoi fahren, aber letztendlich dürfen wir doch mit unseren Motorrädern vorne weg mit unserem eigenen Tempo fahren. Wir sind ganz froh, dass Yussuf das für uns noch geregelt hat. Dann verabschieden wir uns von Yussuf und so gegen 12:00 starten wir in Richtung Kunjerab Pass. Yussuf als Guide hat sich sehr auf unsere bedürfnisse eingestellt, vieln Dank an Yussuf und Navo Tour.

Meine Maschine läuft heute schön rund, weil ich in China Benzin mit 97 Oktan tanken konnte. Trotzdem macht sich ab der Höhe von 3.500m ein deutlicher Leistungsverlust durch die dünnere Luft bemerkbar.

Oben auf dem Kunjerab Pass gibt es nur noch eine Polizeistation auf der chinesischen Seite, die noch mal unseren Pass checkt und dann sind wir in Pakistan.

Direkt hinter der Grenze werden wir von pakistanischen Touristen gleich sehr freundlich begrüßt mit einem „welcome to Paskistan“. Nach wenigen Kilometern erreichen wir Sost und den pakistanischen Zoll. Ich habe den Eindruck, hier geht alles sehr viel relaxter zu. Dem Zollbeamten in Sost lege ich mein Carnet vor, er trägt einige Daten in eine DIN A4 Buch ein, stempelt das Carnet ab und nach 10min ist alles erledigt. Einen Computer und eine vernetzte Datenbank braucht der Zoll hier nicht 🙂 . Dann noch die Frage, ob ich Alkohol oder Drogen im Gepäck habe. Nachdem ich das verneine, kann ich weiter fahren. Gepäck und das Motorrad wurden nicht kontrolliert 🙂 .

Gegenüber China können wir in Pakistan die Uhr wieder 3 Stunden zurück stellen und haben somit einen schönen langen Tag. Die weitere Fahrt auf dem KKH ist ein Gedicht. Die Straße ist bis auf immer mal durch Erdrusche bedingte Straßenbeschädigungen oder Verengungen in sehr guten Zustand, aber dadurch dass hier kaum Verkehr ist, lassen sich diese Engstellen sehr gut passieren. Ich bin aber doch die ersten 100km immer mal wieder verunsichert aufgrund des Linksverkehrs.

Anmerken möchte ich, dass es auf dem KKH immer wieder Polizeikontrollen gibt. Bei vielen können wir gleich durchfahren und bei einigen Polizeistationen wird kurz der Pass überprüft und das Motorrad registriert. Es geht aber immer sehr freundlich und höflich zu! Ich habe den Eindruck, dass die Polizei sehr bemüht ist, Sicherheit zu produzieren.

Sonnenaufgang- und Sonnenuntergang in Karimabad

Wir, Thomas und ich entschließen uns, heute bis nach Karimabad zu fahren und im Eagles Nest zu übernachten. Das Hotel liegt runde 7km außerhalb des Ortes und auf 2.700m Höhe. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Adlerhorst.

Ich gönne wir eine 3tägige Ruhepause und relaxe hier. Thomas reist schon einen Tag vorher ab, um den Desosei Nationalpark zu besichtigen.

Dann nach 3 Tagen ist mein nächstes Ziel Naran, einem Seitental vom KKH. Leider ist heute ein Dauerregentag und ich muss den ganzen Tag im Regenkombi fahren. Zu allem Überfluss zeigt sich, dass meine Vorderradbremse bei Regen keine gute Bremswirkung mehr hat, sodass ich meine Fahrweise entsprechend anpassen muss. Manchmal war es schon ein wenig knapp 😉 .

In Naran bleibe ich nur die Nacht und am anderen Tag fahre ich weiter nach Lahore. Ein Tagesziel mit 650km. Wieder mal eine viel zu lange Strecke für einen Tag. Es regnet den ganzen Vormittag in Strömen und in dem Seitental des KKH muss ich einige Wasserdurchfahren meistern, da es hier kaum  Brücken gibt und das Wasser einfach in Fuhrten über die Straße geleitet wird. Meine Vorderradbremse (Bremsbeläge) macht mir echt zu schaffen.

Islamabad

In Islamabad habe ich eine Zwischenübernachtung eingebaut, da die Strecke von Naran nach Lahore einfach zu lang ist und aufgrund des chaotischen Verkehrs nur schwer oder mit zu hohem Risiko zu machen ist. Auf der Strecke nach Islambad treffe ich 5 Biker, die mit ihren 125ccm Maschinen eine 10tägige Reise von Isamabad bis zum Kunjerab Pass und zurück unternehmen. Näheres hierzu in meinem nächsten Blog.

Eindrücke von Lahore

Der Verkehr in Lahore ist echt eine Herausforderung, „man o man“. Gut das ich im Iran schon geübt habe. Erstaunlicherweise habe ich nur einen Unfall gesehen, bei dem ein Mopedfahrer einen Fußgänger angefahren hat, der die Straße überqueren wollte.

Die Besichtigung der Zeremonie an der Grenze zu Indien ist ein muss bzw. ich kann sie auch nur empfehlen. Es ist schon eine sehr beeindruckende Aufführung ….

 

Schlussbemerkung Pakistan

Pakistan hat mir ganz gut gefallen. Die Menschen waren ausgesprochen freundlich und kommunikativ. An einigen Stellen können sich Touristen nur per Polizeieskorte bewegen, da die Sicherheitslage zu kritisch ist  (Belutschistan oder einige Abschnitte auf dem KKH). Auf meiner gesamten Route durch Pakistan bin ich aber von Polizeieskorten verschont geblieben 🙂 . Nur die ausgeprägte Liebe zu selfies ist mir manchmal echt auf den zeiger gegangen. Einmal an der Tankstelle hält auch ein Bus, um zu tanken. Als dann der ganze Bus aussteigt und alle ein selfie haben wollen, ist mir fast der Geduhlsfaden gerissen. Ich habe aber auch in den Städten oder in den Bergen sehr einfach lebende Menschen und auch sehr große Armut und verwahrloste Kinder gesehen. Dabei ist es mir schon das ein oder andere mal schwer ums Herz geworden.

Kashgar in Chinas Westen

Eindrücke von Kashgar

Anfahrt Kashgar

Von Sary Tash starten wir morgens gegen 9:00. Die Strecke zur kirgisischen Grenze über den Irkeshtam Pass mit 75km ist überschaubar. Sie ist asphaltiert und in sehr gutem Zustand. Die Ausreise aus Kirgisien ist in 10min geschafft. Nach 5km kommen wir an den ersten chinesischen Checkpoint, dem Treffpunkt mit dem chinesischen Guide Yussuf. Abgemacht war, dass wir uns um 11:00 chinesischer Zeit treffen, aber leider verspätet sich der Guide um 2,5Std. und so rutschen wir auch noch in die 2,5 stündige Mittagszeit. 5 Stunden in der Sonne zu warten, ist mir gewaltig auf den Zeiger gegangen. Aber hier treffen wir Fleur und Donatello aus Sary Tash wieder und vertreiben uns die Zeit mit Backgammon und einem selbstgemachten Espresso. Aber nachdem die Mittagszeit des Checkpoints vorbei ist kommen wir dank Yussuf recht schnell über den Checkpoint und weiter geht’s nach Ulugqat, dem eigentlichen Zoll und der Immigrationsbehörde.

Auch hier kommen wir dank des Guides recht schnell durch. Alle Unterlagen waren durch Yussuf gut vorbereitet. Jetzt sind es noch 90km bis zu unserem Hotel in Kashgar. Die Straßen sind sehr gut zu fahren und so kommen wir bald in Kashgar an. In Kashgar angekommen, ist der Verkehr schon recht wuselig, besonders durch die vielen Elektro-Skooter. Unser Hotel super 8 liegt mitten in der Altstadt. Dort angekommen, gibt es die nächste Herausforderung, wie einen Parkplatz finden? Tja, Motorradfahrer können mitunter auch hartneckig sein und so überzeugen wir die Rezeption, dass wir direkt im Hotel parken können. Die Hotelgäste in der Rezeption haben nicht schlecht gestaunt, als wir doch tatsächlich mit dem Motorrad daher gefahren kommen. Die Auffahrt war aber schon nicht ohne, wie ihr im Video sehen könnt.

Die Altstadt und im Basar

Wir haben 3 Tage Zeit, uns Kashgar in Ruhe anzusehen und besonders den Viehmarkt am Sonntag. Sehr beeindruckt hat mich, wie viele Elektro-Skooter hier in Kashgar benutzt werden und wie sauber und angenehm doch die Luft dadurch ist.

Am Montag um 10:00 geht es dann weiter auf den Karakorum Highway in Richtung Pakistan. Yussuf hat sich als Guide alle Mühe gegeben, uns die Zeit in China so angenehm wie möglich zu machen. Vielen Dank Yussuf.

der Sonntagsviehmarkt in Kashgar

Auf dem Viehmarkt treffen sich die Bauern und verkaufen und kaufen vom Esel über Kühe, Bullen, Schafe, Kamele usw. Es ist schon interessant mit anzusehen, wie der Handel der Handel von statten geht. Es ist meistens auch ein Mittelsmann dabei, der beim Handel hilft, so daß kein Unfriede entsteht. Der Handel wird mit Handschlag abgeschlossen.

Unterlagen zur Einreise mit dem eigenen Fahrzeug

Der Führerschein wird normaler Weise nur an Personen unter 60 ausgestellt 🙁 , aber in China gibt es auch keine Regeln ohne Ausnahme. Die Ausnahme lt., wenn ich 300$ extra zahle, bekomme ich den Führerschein auch als 62jähriger ausgestellt. Wofür jetzt genau die 300$ verwendet wurden, ist mir allerdings ein Geheimnis geblieben. Na ja, ich muss ja auch nicht alles wissen!

Leider habe ich kein chinesisches Nummernschild mehr bekommen. Seit ein paar Wochen ist diese Auflage abgeschafft worden. Hätte es doch so gern als Andenken mitgenommen.

Richtung China und als letzte Station in Kirgisien nach Sary Tash

Nach Sary Tash und dem Base Camp von Peak Lenin

Bilder von Sary Tash

Nach der erholsamen Pause und der Motorradpflege in Osh treffe ich mich mit Thomas aus der Schweiz und wir fahren gemeinsam nach Sary Tash, um von dort aus am anderen Morgen über den Irkeshtam Pass (3.005m) und weiter zur chinesischen Grenze zu fahren. Von Sary Tash sind es dann noch runde 80km gute asphaltierte Straße bis zur chinesischen Grenze.

Sary Task liegt im Dreiländer-Eck Kirgisien, Tadschikistan und China auf 3.100m Höhe. In Sary Tash finden wir ein ganz neues Guesthouse mit Namen Muras. Wir haben eine gute Wahl getroffen, es ist sauber und das Essen schmeckt prima.

Da die Strecke für heute von Osh nach Sary Task mit 180km überschaubar ist, planen wir von Sary Tash noch einen Ausflug zum Base Camp des Peak Lenin, der 7.143m hoch ist. Ganz bis zum Base Camp schaffen wir es aber nicht. Trotzdem ein netter Ausflug.

Abends treffen wir Uwe und Peter, die mit ihrem Dnepr Gespann aus Dresden gekommen sind. Sie sind seit 2 Monaten unterwegs. Sie berichten uns, dass sie in Osh großes Pech gehabt haben und Uwe der Pass mit einigen Unterlagen und Bargeld aus dem Hotel gestohlen wurde.  Damit ist für die Beiden der Strecken- und Zeitplan komplett über den Haufen geworfen worden. Trotzdem ist die Stimmung bei den Beiden nicht komplett im Keller und wir verbringen noch einen unterhaltsamen Abend im Guesthouse.

Kinderbücher und ihre Weisheiten

Als kleine mentale Einstimmung für China und Pakistan fällt mir die Geschichte von Michael Ende mit Jim Knopf und Lukas und dem Scheinriesen Hr. Turtur ein 🙂 Schwierigkeiten oder Herausforderungen auf dieser Reise haben sich für mich oft bei näherer Betrachtung als lösbar und als gar nicht so schwierig herausgestellt. Es kostet mich aber trotzdem Überwindigung, die Dinge und Herausforderungen näher zu betrachten.

 

Zufällige Begegnungen und was sonst noch so war

Bilder Osh

Auf der Fahrt von Bishkek nach Osh nehme ich mir ein Hotel am Toktogol See. Am anderen Morgen beim Frühstück gesellen sich 2 Urlauber aus Hongkong zu mir. Im Laufe des Gespräches stellt sich heraus, dass sie einige Erfahrungen über Pakistan und den Karakorum Highway (KKH) haben und sie geben mir noch gute Tipps zu Sehenswürdigkeiten und guten Unterkünften. Sie schwärmen über den Norden Pakistans als tolles Gebiet fürs Paragliding. Das klingt doch alles gut 🙂 .

In Osh in meinem Guesthouse übernachtet auch ein Team, dass die Mongolia Rally mitfährt. Das Team besteht aus einem Engländer und einem Franzosen. Mit Joe, dem Engländer komme ich näher in Kontakt und ich kann ihm ein wenig über meine Erfahrungen aus der Mongolei berichten. Beim Bier hat er mir über ein Projekt in England berichtet, in dem er mitgearbeitet hat, dass das Ziel hatte, das schnellste Auto der Welt zu entwickeln. Soweit wie ich es verstanden habe, haben sie mit dem Auto dann einen Geschwindigkeitsrekord mit 1.4 Mach aufgestellt. Wow.

Motorradpflege

Nach der großen Schleife durch Kasachstan, Sibirien und der Mongolei steht für mein Motorrad wieder ein wenig Pflege und Service auf dem Plan. Die Reifen sind nach 14.000km bis auf ein paar Millimeter herunter gefahren und beim genaueren Hinsehen hat der hintere Reifen einen 3cm langen tiefen Riss. Au man, das hätte bald einen Platten gegeben und war höchste Zeit, ihn zu wechseln. China und den KKH in Pakistan hätte dieser Reifen nicht mehr geschafft. Auch die Bremsbeläge sind total herunter gefahren und mussten ausgewechselt werden. Leider habe ich keine Ersatzbeläge mit, sodass wir bei Muztoo nach alter Väter Sitte einfach neue Beläge aufgenietet haben. Ich  muss dann wohl ein bisschen vorsichtiger fahren. Ansonsten habe ich jetzt runde 25.000km auf der Seidenstraße-2016 mit meiner Betty zurückgelegt und sie ist bisher tadellos gelaufen, toi,toi, toi. Bis Thailand sind es wohl noch 10.000km.

Die Pause von einer Woche in Osh konnte ich gut nutzen, um mich auf die Einreise in China vorzubereiten und mich auch weiter mit dem KKH in Pakistan auseinander zu setzen. Die Informationen von „Overlander“, die kürzlich die Strecke gefahren sind, hören sich sehr vielversprechend an. Von Thomas, mit dem ich zusammen durch China fahren werde, habe ich auch noch sehr gute Details über den KKH zur Streckenplanung und den Unterkünften bekommen. Auch diese Infos stimmen mich zuversichtlich für die Reise durch Pakistan 🙂 .

In „meinem Guesthouse“ übernachten auch für mehrere Nächte eine 8 köpfige Bergsteigergruppe aus Russland. Sie haben ihre Bergwanderung in einem Bergmassiv an der chinesisch, tadschikisch, kirgisischen Grenze leider abgebrechen müssen, da 2 von Ihnen abgestürzt sind und sich dabei erheblich verletzt haben, sodass sie mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden mussten. Aber trotzdem war ihre Stimmung nicht am Boden. Die Bergsteigergruppe wird geleitet von Andrej, dem mehrfachen russischen Champion im Bergsteigen. Er gilt als eines der erfahrensten Bergsteiger Russlands und hat einige Bergmassive in Zentralasien „erschlossen“ und dokumentiert. Es war für mich auch eine sehr nette und abwechslungsreiche Begegnung.

 

Besuch bei Wlab und seinen Großeltern in Kasachstan

Besuch bei Wlad und der kasachischen Familie

Die Fahrt von Branaul nach Kasachstan und Semey verläuft unspektakulär. Der Grenzübergang bei Rubzkowsk ist sehr klein und übersichtlich. Ein russischer LKW Fahrer ist mir behilflich bei den einzelnen Stationen im jeweiligen Zoll. Er hat wohl mein T-Shirt gesehen und den Aufdruck mit den Ländern gelesen, die ich bereist habe und noch bereisen möchte. Da ich in der russischen Zoll-Union unterwegs bin, brauche ich keine Zolldeklaration fürs Motorrad … Sie muss erst wieder vorgelegt werden, wenn ich von Kirgisien nach China ausreise.

In Semey komme ich wieder im Hotel Semey für 17€ unter. Im Hotel treffe ich eine malaysische Bikerin mit Vornamen Anita, die ihre Weltumrundung fast abgeschlossen hat und mir scheint, dass sie froh ist, bald wieder zu Hause zu sein.

Die Strecke von Semey nach Almaty hat für mich ja noch eine Vorgeschichte. Zwischen Ajagös und Taldykorgan habe ich aus der anderen Richtung kommend mein Motorrad zerlegt bzw. ist mir der Rahmen gebrochen. Die Straßenverhältnisse sind dort katastrophal, da hilft auch ein Endurofahrwerk nicht mehr viel.

Bei der kasachischen Familie und Wlad, die mir seiner Zeit geholfen hat, muss ich einfach vorbei fahren und hallo sagen. Die Familie hat seit der Reparatur ständig meine Reise im Internet verfolgt und mich so begleitet. Ich bin natürlich nicht mit leeren Händen gekommen und habe dem Großvater den besten Wodka mitgebracht, den ich kaufen konnte und auch dem Rest der Familie kleine Geschenke mitgebracht. Es war ein herzliches Wiedersehen … Wlad hat es sich nicht nehmen lassen, mir mit seinem selbst gebauten Quad entgegen zu kommen.

Nach Almaty sind es noch runde 500km. Über die Fahrt dahin gibt es nicht viel zu erzählen. Landschaftlich ist der Südosten von Kasachstan aber gar nicht so langweilig durch seine Bergketten am Horizont.

Bei Yeldos und bei den Free Riders

In Almaty treffe ich Yeldos in seinem Restaurant Eldoro wieder. Auch mit Tim, den ich in der Mongolei im Guesthouse Oasis getroffen habe, verabrede ich mich dort. Yeldos war seiner Zeit bei meinem Crash mit dem Motorrad mein Ansprechpartner und „Übersetzer“. Ich empfand es als extrem hilfreich im kasachischen nirgendwo einen Ansprechpartner zu haben, der mich versteht und die richtigen Tipps geben konnte. Der Abend war herrlich und abwechslungsreich, Yeldos, vielen Dank. Nebenbei hat Yeldos uns „kleine Einblicke in die Denk- und Verhaltensweise“ hier in Kasachstan gegeben ….

Am darauffolgenden Abend fahre ich zum Clubhaus der Free Riders. Auch der Abend war abwechslungsreich und nett. Leider war an diesem Abend keine Life-Musik.

Am darauffolgenden Tag geht’s dann weiter nach Kirgisien und Bishkek. Der Grenzübergang nach Kirgisien war sowas von easy, in 15min hatte ich beide Grenzkontrollen passiert. So schnell kann es auch gehen 🙂 . Auf der kirgisischen Seite winkt mich ein Zollbeamter am Ende der Schlange zu sich, will meinen Pass sehen und verschwindet für 3min und kommt dann mit abgestempelten Pass wieder und meint, herzlich willkommen in Kirgisien und wünscht mir weiter gute Fahrt. Ich bin für einen kurzen Moment sprachlos.

Aber am Ende des kirgisischen Zollbereiches holt mich die andere kirgisische Wirklichkeit wieder ein. Da es heute mal wieder eine Affenhitze ist, fahre ich im Zollbereich und 10m außerhalb ohne meine Motorradjacke und Helm. Dafür werde ich doch gleich von der Polizei beiseite beordert und man nimmt mir meinen Pass ab und ich soll mal in die Polizeistation kommen. Dort wird mir vom Chef (3 Sterne) erklärt, das ich einen großen Fehler gemacht habe und dafür bezahlen muss. Naja, nach 10min Diskussion mit mir, er auf Russisch oder Kirgisisch und ich auf Deutsch hat er dann aufgegeben und mir mit einem etwas gezwungenem lächeln meinen Pass wieder gegeben. Geht doch 😉 .

In Bishkek bin ich in einem ganz neuen kleinen Hotel mit Namen My Hotel für 15€ unter gekommen. Ein absoluter Volltreffer. Dies Hotel ist auch eine kleine Drehscheibe für Reisende und so für mich auch sehr abwechslungsreich.

Derzeit bereite ich meine Einreise nach China, Pakistan und Indien vor. Mir scheint, es ist alles soweit präpariert. Aber die Einreise mit dem eigenen Fahrzeug nach Thailand macht noch Schwierigkeiten. In Thailand wurde ein neues Gesetz, siehe PDF:Overland_Thailand_20160801_LM erlassen, dass Ausländer mit dem eigenen Fahrzeug ein Permit und eine thailändische Versicherung benötigen. Damit einher geht mal wieder ein erheblicher Papieraufwand und das Anschreiben an das thailändische Verkehrsministerium muss unterschriftenbeglaubigt sein. Mal schauen, ob das heute bei der deutschen Botschaft in Bishkek gelingt.

Motorrad-Abenteuer durch Zentral- und Südost-Asien